Auch wenn ich die Positionen des Bundesverband der Liberalen Hochschulgruppen zum Bologna-Prozess nicht grundsätzlich teile und auch nicht grundsätzlich gegen den aktuellen Bildungsstreik bin, möchte ich doch an dieser Stelle mal eben auf eine Pressemitteilung der Bundes-LHG hinweisen, welcher doch ein paar meiner Kritikpunkte an dem Streik recht gut deutlich macht. Da es die Pressemitteilung leider noch nicht auf die Website der Bundes-LHG geschafft hat, zitiere ich sie mal an dieser Stelle.
Zitat:
*PRESSEMITTEILUNG*
*des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen **
14.06.2009**
LHG lehnt Bildungsstreik ab*
*Kommende Woche werden die deutschen Hochschulen von linken Studierenden
und ihren Mitläufern bestreikt. Schüler und Lehrer, Studierende und
Dozenten verbrüdern sich, um gemeinsam für ein besseres Bildungssystem
zu demonstrieren -- so das Bild, das die Organisatoren des
Bildungsstreiks ihrem Bündnis geben. Die Reaktion ist allenthalben
wohlwollend, Kritikern werden Ideologie, Lagerdenken oder gar
gegenläufige Interessen vorgeworfen. Der Bundesverband Liberaler
Hochschulgruppen (LHG) findet die Aktion dennoch mehr als bedenklich.*
Etwa ein Jahr ist es her, dass sich prominente Vertreter aus der
Hochschulpolitik, darunter der Deutsche Hochschulverband, das
Doktorandennetzwerk Thesis und das Deutsche Studentenwerk mit
politischen Studentenorganisationen zur "Hochschulallianz"
zusammenschlossen. Ziel war ein gemeinsames, gesinnungsübergreifendes
Vorgehen zur Verbesserung der Bildung an den Universitäten. Fzs, JuSos
und CampusGrün boykottierten diesen Versuch konstruktiver Arbeit.
Inspiriert durch den Schülerstreik im Spätjahr 2008, der mitunter zu
Verwüstungen an der Humboldt-Universität Berlin führte, schlossen sich
ebendiese nunmehr mit Organisationen, wie der "Sozialistischen Deutschen
Arbeiterjugend", "Geblockt", "Assoziation Marxistischer Studentinnen",
"haltsmaulnazi", "Revolution -- communist youth movement" oder der
"Widerstandsgruppe Worms-Wonnegau" zusammen, um einen Bildungsstreik zu
initiieren. Konzept: Form vor Inhalt, Aktion vor Idee.
Dem stellt der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen inhaltliche
Konzepte entgegen, die der Verbesserung der Bildung tatsächlich
zuträglich sind und auf dezidierten Überlegungen fußen, nicht auf
Ideologie und Protestkultur:
"Wo die Linken ihre Prioritäten jeden Tag anders setzen, das Geld ihrer
Mitmenschen mal für Mindestlöhne, mal für Steinkohle, dann wieder für
Windräder oder Kinderbetreuung ausgeben wollen, setzt der Bundesverband
Liberaler Hochschulgruppen klar auf eng beschränkte Staatsaufgaben --
und zu diesen gehört vornehmlich die Bildung", so Johannes Knewitz,
Bundesvorsitzender des LHG, zur Hochschulfinanzierung. Anders als die
linken Aktivisten, nennt Knewitz auch Posten, wo die zusätzlichen Mittel
herkommen sollen: "Das Geld, das jedes Jahr in großen Summen vom
Steuerzahler an den Staat fließt, muss endlich zielgerichtet ausgegeben
werden. Statt mit aufgeblähten Verwaltungsapparaten einen archaischen
Status Quo im System der Umverteilung nach politischem Einfluss zu
verwalten, sollten die Hochschulen ausreichend Eigenmittel für eine
selbständige und effiziente Bewältigung ihrer täglich neuen
Herausforderungen bekommen. Statt über seine Sozialkassen und die
ausufernde Sozialbürokratie für mangelnde Bildungsinvestitionen in der
Vergangenheit zu büßen, sollte der Staat in der Gegenwart in
ausreichende und hochwertige Studienplätze investieren, um sich und
seinen Bürgern derartiges Leid in Zukunft zu ersparen! Subventionen in
fossile Rohstoffe und Industrien manifestieren die Relikte vergangener
Zeiten, Investitionen in Bildung würden die Säulen der Zukunft
fundamentieren."
Auch die Ausgestaltung der neuen Studiengänge sieht Knewitz kritisch,
fordert aber: "Wir dürfen bei den Bolognareformen nicht auf zwei
Dritteln des Weges stehen bleiben. Der Ansatz eines Studiums in zwei
Zyklen ist richtig und steht einer sehr guten universitären Bildung
nicht im Wege, ermöglicht aber gleichzeitig auch viele unterschiedliche
Bildungsbiographien. Was zur Zeit vor Allem fehlt, ist eine sinnvolle
Ausgestaltung der Curricula an den Universitäten und eine
Flexibilisierung der starren Strukturen der jeweiligen Studiengänge,
inklusive der flächendeckenden Einführung von Teilzeitstudienangeboten.
Eine Umkehr im Bolognaprozess, wie die ,Bildungsstreiker' sie fodern,
würde zum vollkommenen Chaos führen."
Statt reaktionär und zukunftsängstlich nach einer zum Ideal stilisierten
deutschen Universität der Vergangenheit zu rufen, haben die Liberalen
Hochschulgruppen einen internationalen Hochschulraum der Zukunft vor
Augen. "Für uns ist die beste Hochschule die, die frei von staatlichen
Zwängen, lediglich an die Gesetze der akademischen Freiheiten und die
selbst geschlossenen Zielvereinbarungen gebunden, den künftigen Trägern
unserer Gesellschaft eine ihren Ansprüchen entsprechende Bildung
ermöglicht.", resümiert Knewitz.
Verantwortlich i.S.d.P.:
Johannes Knewitz, Vorsitzender



